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Ausbau der Erdgas-Pipeline STEGAL abgeschlossen

200 Millionen Euro investiert / 5600 Rohre verschweißt

Erfurt. Nach nur 20 Monaten Bauzeit ist es soweit: Die Kasseler Ferngasgesellschaft WINGAS GmbH hat die Erweiterung der Erdgasleitung STEGAL (Sachsen-Thüringen-Erdgas-Leitung) jetzt abgeschlossen. Für rund 200 Millionen Euro hat das deutsch-russische Gemeinschaftsunternehmen die für den Erdgastransport bedeutende Ost-West-Trasse ausgebaut. Die Transportkapazität der Pipeline ist mit dem Ausbau um mehr als 50 Prozent gestiegen. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz würdigte das Projekt als einen nachhaltigen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung Deutschlands. "Besonders erfreulich ist dabei natürlich für mich, dass Thüringen als Drehscheibe des Erdgastransits in hohem Maße von den Investitionen profitiert", sagte Reinholz am Mittwoch (3. Mai) vor Journalisten in Erfurt.

"Dieses Projekt hat dazu beigetragen, dass sich die Versorgungssicherheit für den deutschen und europäischen Markt signifikant erhöht", ergänzte Dr. Rainer Seele, Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung. Denn der Ausbau der STEGAL ermöglicht es dem Unternehmen, künftig deutlich größere Mengen russischen Erdgases über die Pipeline durch Sachsen und Thüringen bis nach England, Belgien und Frankreich zu transportieren. Zur Absicherung der Erdgasversorgung konnte WINGAS bereits im Jahr 2004 ihre Bezugsverträge mit der russischen Gazexport aufstocken und vorzeitig bis 2030 verlängern.

Die Erweiterung der STEGAL konzentrierte sich dabei vor allem auf Thüringen: In Eischleben bei Erfurt ist eine neue Verdichterstation errichtet und eine bestehende Station in Rückersdorf erweitert worden. Außerdem ist zusätzlich zur bestehenden STEGAL auf einer Strecke von rund 100 Kilometern eine Parallelleitung verlegt worden - insgesamt 5600 zusätzliche Pipeline-Rohre wurden hierzu verschweißt und in einem Abstand von drei Metern direkt neben der bereits verlegten Leitung abgesenkt. Bis zu 500 Fachkräfte aus allen Berufsgruppen des Baugewerbes waren auf den Baustellen tätig, ein Großteil davon Beschäftigte aus Thüringen. "Die Realisierung dieses Projektes ist im Rekordtempo vollzogen worden - auch durch die Unterstützung der Behörden in Thüringen", sagte Seele und dankte damit stellvertretend dem Minister für Wirtschaft, Technologie und Arbeit des Freistaats Thüringen, Jürgen Reinholz, für das zügige Genehmigungsverfahren.  

Herzstück der Erweiterung ist neben der Parallelleitung der Neubau der Verdichterstation in Eischleben bei Erfurt. Die neue Station verfügt über drei Turbinen mit einer Leistung von zusammen rund 85 MW (Megawatt). Stündlich können hier etwa zwei Millionen Kubikmeter Erdgas in Richtung Westen transportiert werden. Verdichterstationen sind ein wichtiges Element im System der Erdgaspipelines: Denn auf dem Weg bis zum Endkunden legt das Erdgas mehrere tausend Kilometer zurück und verliert damit an Druck. Mit den Verdichtern wird der Druck des Erdgases für einen reibungslosen Weitertransport rund alle 200 Kilometer wieder auf ein Niveau von rund 95 bar angehoben. Gleichzeitig mit der Realisierung des neuen Verdichterstandortes in Eischleben wurden bestehende Stationen der WINGAS entlang der STEGAL in Olbernhau (Sachsen), Rückersdorf (Thüringen) und Reckrod (Hessen) weiter ausgebaut und deren Verdichterleistung gesteigert. Durch diese Maßnahmen können letztlich deutlich höhere Transportmengen von Ost nach West transportiert werden; zusätzlich rund 6 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr.

Pipelines in Nordrhein-Westfalen werden jetzt ausgebaut

Das bundesweite Investitionsprogramm für den WINGAS-Pipelineausbau ist mit dem Abschluss der STEGAL-Erweiterung jedoch nicht beendet: Für zusätzlich rund 50 Millionen Euro wird derzeit auch die durch Nordrhein-Westfalen führende Erdgasleitung WEDAL (West-Deutschland-Anbindungs-Leitung) ausgebaut. Es ist vorgesehen, die Kapazität dieser Pipeline um etwa 30 Prozent zu erhöhen. Größtes Einzelprojekt ist dabei der Bau der neuen Verdichterstation Lippe bei Bad Salzuflen, die im Herbst dieses Jahres in Betrieb gehen soll. "Wir investieren auch hier in den für Deutschland charakteristischen freien Leitungsbau und stärken den Infrastrukturwettbewerb in Deutschland", erklärte Seele. Sorgen bereitet ihm jedoch, dass die Bundesregierung plant, den Erdgastransport durch zusätzliche Belastungen zu benachteiligen. "Sowohl aus dem neuen Energiesteuergesetz als auch durch den Emissionshandel drohen WINGAS Belastungen jeweils in zweistelliger Millionenhöhe. Die Besteuerung der Erdgaseigenverbräuche bei Erdgastransport und -speicherung liegt in den benachbarten EU-Mitgliedsstaaten durchweg niedriger als in Deutschland. Und warum beim Emissionshandel ausgerechnet das klimafreundliche Erdgas benachteiligt werden soll, kann ich nicht verstehen", so Seele weiter. Deutschland brauche dringend Investitionen in die Gasinfrastruktur.

Das Transportsystem der WINGAS verbindet den deutschen und europäischen Erdgasmarkt mit Ferngasleitungen, die über eine Distanz von mehr als 5.000 Kilometern von den russischen Erdgasquellen in Sibirien bis zur deutschen Grenze reichen. "Für die Versorgungssicherheit im wachsenden europäischen Gasmarkt ist und bleibt Russland der bedeutendste Partner", unterstrich der Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung die Bedeutung Russlands als Erdgaslieferant. "Gazprom ist seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Partner für die sichere Versorgung Deutschlands und Westeuropas mit Erdgas. In all den Jahren hat Gazprom ihre Lieferverpflichtungen gegenüber Europa stets zuverlässig erfüllt", sagte Seele weiter.

WINGAS bezieht russisches Erdgas über verschiedene Importrouten, den größeren Teil über die nördliche durch Weißrussland und Polen führende Jamal-Europa-Pipeline. Ergänzend zu Lieferungen aus Russland bezieht WINGAS Erdgas mittelbar von verschiedenen anderen Produzenten aus Westeuropa, hier insbesondere Nordseegas. "Neben den langfristigen sicheren Lieferverträgen ist eine Ausdehnung des Infrastrukturwettbewerbes in ganz Europa eine unabdingbare Voraussetzung für die stabile Versorgung Europas mit Erdgas", erklärt Seele. Mit dem Erdgasspeicher im norddeutschen Rehden verfügt WINGAS bereits über den größten Erdgasspeicher Westeuropas, der zusätzlich ein hohes Maß an Versorgungssicherheit darstellt und saisonale Schwankungen solcher Art für WINGAS-Kunden in Deutschland und Westeuropa ausgleicht. Zur Stärkung ihrer Marktposition baut WINGAS ihre marktnahen Speicherkapazitäten aus: 2007 wird die Kasseler Ferngasgesellschaft mit der Rohöl-Aufsuchungs-Aktiengesellschaft (RAG) und der Gazprom-Tochter OOO Gazexport den zweitgrößten Erdgasspeicher Mitteleuropas im österreichischen Haidach in Betrieb nehmen. Mit dem Erwerb des ehemals größten britischen Onshore-Erdgasfeldes Saltfleetby steht ein weiterer Ausbau der europäischen Erdgasspeicherkapazitäten an. Aus dem Feld an der englischen Ostküste wurde seit 1999 Gas produziert. Zurzeit wird die ehemalige Lagerstätte in einen Speicher umgewandelt.

Die WINGAS GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Wintershall AG und der russischen OAO Gazprom. Seit 1990 sind die beiden Partner in der Gasversorgung tätig. Als Gesellschafter der WINGAS haben BASF/Wintershall und Gazprom bis heute rund 3 Milliarden Euro in den Aufbau des WINGAS-Erdgasleitungssystems investiert. Mit dem Speicher Rehden verfügt WINGAS über den größten Erdgasspeicher Westeuropas.

WINGAS PI-06-06 - 03.05.2006

Kontakt
Stefan Leunig
Tel. +49 561 301- 3301
Fax +49 561 301- 1321
pressewingas-transport.de

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