200 Millionen Euro Investment beschlossenWINGAS kennt keine Grenzen und baut Pipelinenetz für europäische Erdgasversorgung weiter ausBerlin. Die Liberalisierung des europäischen Erdgasmarktes hat die WINGAS GmbH (Kassel) konsequent genutzt: Das deutsch-russische Gemeinschaftsunternehmen (65 % BASF/Wintershall / 35 % Gazprom) beliefert inzwischen eine Reihe namhafter Industriebetriebe in Europa. Zum weiteren Ausbau ihrer westeuropäischen Aktivitäten investiert die WINGAS jetzt knapp 200 Millionen Euro in den Ausbau ihrer Transportkapazitäten. Wir schaffen Werte und investieren weiter nachhaltig in das Geschäft, sagte Dr. Rainer Seele, Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung, anlässlich der gerade erfolgten nächsten Stufe der europaweiten Marktöffnung (1. Juli) vor Journalisten im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin. Auch in Deutschland wächst die WINGAS weiter gegen den Branchentrend und erhöhte ihren Erdgasabsatz im ersten Halbjahr 2004 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um mehr als 8 Prozent. Die WINGAS hat ihre in Deutschland erfolgreiche Marktstrategie ausgeweitet, regional angepasst und erfolgreich auf die Erdgasmärkte in Belgien, Frankreich und Großbritannien übertragen, erklärte Seele. Mit dem jetzt beschlossenen Ausbau der STEGAL könne künftig noch mehr Erdgas durch Deutschland nach Westeuropa transportiert werden. Das WINGAS-Transportsystem verbindet die Erdgasmärkte westlich der Bundesrepublik mit den Ferngasleitungen östlich von Deutschland, die über eine Distanz von mehr als 5.000 Kilometern Entfernung bis nach Sibirien reichen. Durch die beschlossenen Investitionsmaßnahmen erhöht sich die Transitkapazität der WINGAS um ungefähr 50 %. Im Rahmen des Ausbaus werden die bereits bestehenden Verdichterstationen in Reckrod (Hessen), Rückersdorf (Thüringen) und Olbernhau (Sachsen) entlang der STEGAL ausgebaut und um eine zusätzliche Station in Kirchheim (Thüringen) ergänzt. Durch diese Maßnahmen kann das Erdgas stärker als zuvor komprimiert werden, was zu deutlich erhöhten Transportmengen führen wird. In einem weiteren Schritt werden die bestehenden Rohrleitungen der WINGAS an ausgewählten Abschnitten auf mehr als 90 Kilometer Länge durch eine parallel verlegte Pipeline ergänzt. Dadurch werde die WINGAS, die in den letzten zehn Jahren fast 80 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Sibirien über Deutschland nach Westeuropa geliefert hat, ihre Importe in Zukunft noch deutlich erhöhen können. Die Vertriebserfolge der WINGAS insbesondere in den vergangenen Monaten in Westeuropa bestätigen diese Perspektive, sagte WINGAS-Geschäftsführer Dr. Rainer Seele. Anzahl der Kunden in Belgien verdoppelt In Belgien habe die WINGAS bereits im ersten Halbjahr 2003 einen fulminanten Start hingelegt. Innerhalb von nur wenigen Monaten ist es uns gelungen, zahlreiche Verträge abzuschließen und einen mittelfristigen Marktanteil von 7 % am belgischen Erdgasmarkt zu sichern, berichtete Seele. Inzwischen hat die WINGAS mit ihrer Tochtergesellschaft WINGAS Belgium (Brüssel) weitere Kunden gewinnen können. Die Zahl der Kunden aus den Branchen Chemie, Baustoffe, Nahrungsmittel und Textilien hat sich inzwischen verdoppelt. Neben Campina, dem größten europäischen Molkereiunternehmen, und Air Liquide, dem Weltmarktführer für medizinische und technische Gase, beliefert WINGAS Belgium u.a. Werke der BASF und ein neues Kraftwerk der RWE in Belgien. Neu als Kunden sind jetzt auch Industriebetriebe aus Wallonien hinzugekommen, darunter mit De Poortere Frère einer der weltweit führenden und größte Textilhersteller Walloniens. In dem Landesteil Belgiens war vor wenigen Monaten der Erdgasmarkt weiter liberalisiert worden; Industrie- und Gewerbebetriebe mit einem Jahresverbrauch von mehr als 1 Million Kubikmeter Erdgas dürfen ihren Lieferanten jetzt frei wählen. 2004 wird die WINGAS bereits 500 Millionen Kubikmeter in Belgien liefern, für 2005 sind schon eine Milliarde unter Vertrag. Als mittelfristiges Absatzziel hat sich das Unternehmen 2 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr gesetzt. Insgesamt benötigt Belgien jährlich über 17 Milliarden Kubikmeter Gas für Haushalte und Industrie. Frankreich nutzt den Wettbewerb Auch in Frankreich hat die WINGAS inzwischen Großkunden gewonnen, darunter eine Papierfabrik in Nordfrankreich und die französische Air Liquide mit einem Werk bei Le Havre. Allein 200 Millionen Kubikmeter Erdgas liefert die WINGAS an dieses Werk in der Normandie. Diesen Markterfolg schätzen wir umso höher ein, als Frankreich bei der Marktöffnung bisher eher auf den hinteren Plätzen anzutreffen ist, so Seele. Denn der französische Nachbarmarkt, der als einer der am zögerlichsten liberalisierten in Europa gilt, werde noch immer von den ehemaligen Monopolisten beherrscht. Versorgt werden die französischen Industriekunden der WINGAS bislang per Durchleitung über Belgien. Eine denkbare Alternative könnte ein eigener, konkurrierender Leitungsbau wie in Deutschland sein. Leider stoße man in Frankreich analog zu anderen regulierten Märkten auf viel Bürokratie und Marktverzerrungen durch Quersubventionen zwischen französischen Regionen und Marktsegmenten. Mehr Erdgas für die britische Insel In Großbritannien komme das im Dezember 2003 mit der norwegischen Norsk Hydro gegründete Joint Venture HydroWingas gut voran. Das Unternehmen habe inzwischen Lizenzen als Erdgasversorger und -transporteur erworben. Im August beziehe das Gemeinschaftsunternehmen neue Räumlichkeiten in Twickenham bei London. Die Endkundenvermarktung habe jedoch bereits begonnen, der erste Industriekunde in Schottland ist unter Vertrag. HydroWingas wird bereits ab August einen der weltweit führenden Zulieferer der Nahrungsmittelindustrie, Devro plc, in der Region Glasgow beliefern. In Großbritannien rechnet das Unternehmen aufgrund der steigenden Nachfrage nach Importerdgas mittelfristig mit attraktiven Absatzmengen mindestens mit 4 Milliarden Kubikmetern jährlich. In diesem Zusammenhang sei auch die Buchung von Kapazitäten auf der geplanten Nordsee-Pipeline BBL von den Niederlanden nach Großbritannien zu sehen. Diese Pipeline, die bis 2007 fertig gestellt sein soll und bis zu 16 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr zur britischen Insel transportieren kann, wird zur Erhöhung der Versorgungssicherheit Großbritanniens beitragen. Ja, wir haben beachtliche Kapazitäten auf der Pipeline gebucht, sagte Seele. Diese Mengen dienen dazu, unsere Lieferungen nach Großbritannien weiter zu diversifizieren und unterstützen unsere konsequente Wachstumsstrategie in Europa. Zur Absicherung der Lieferungen habe das Unternehmen erstmals Speicherkapazitäten in England zugekauft. Mehr russisches Erdgas für Europa Die wachsenden Absatzmengen und der steigende Bedarf in Westeuropa werden rechtzeitig durch gesteigerte Bezüge abgesichert. Auf der gerade beendeten Industriemesse Neftegaz in Moskau haben wir uns mit Gazprom grundlegend auf eine Verlängerung und Erweiterung unserer Bezugsverträge bis 2030 geeinigt, berichtete Seele. Denn als wichtigen Beitrag für die russisch-deutsche Partnerschaft liefere Gazprom als Anteilseigner seit Jahren zuverlässig Erdgas aus den großen Vorkommen Sibiriens. Dies ist ein ganz wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit Europas und zur Nachhaltigkeit des Gasgeschäftes der WINGAS, sagte Seele. Doch nicht nur in Europa, auch in Deutschland sei der Wachstumskurs erfolgreich fortgesetzt worden. Im ersten Halbjahr 2004 habe die WINGAS große Verkaufserfolge erzielt und Verträge mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Kubikmetern abgeschlossen. Gegenüber einem rückläufigen Branchentrend von etwa 2,5 % im ersten Halbjahr 2004 habe die WINGAS im Vergleich zum Vorjahreszeitraum über 8 % mehr Erdgas abgesetzt. Insgesamt werde die WINGAS ihren Wachstumskurs weiter fortsetzen; allein im vergangenen Jahr hatte das deutsch-russische Gemeinschaftsunternehmen ein Absatzplus von mehr als 20 % erzielt. Auch in diesem Jahr ist wieder ein deutliches zweistelliges Wachstumsplus zu erwarten, sagte Seele. Die WINGAS sei als Partner von Stadtwerken, regionalen Energieversorgern und Industrie akzeptiert. Dass dies keine leere Phrase, sondern gelebte Geschäftsbeziehung sei, zeigten die vielfältigen innovativen Projekte, die WINGAS gemeinsam mit ihren Kunden partnerschaftlich realisiere. Hierzu zählten beispielsweise der Bau von Konditionierungsanlagen zur Anpassung der Erdgasqualität an die Bedürfnisse der WINGAS-Kunden, eine solche Anlage werde derzeit gerade bei den Stadtwerken Bielefeld in Betrieb genommen. Der Leitsatz, mit dem die WINGAS neuerdings auf ihr Angebot hinweise, bringe dieses Verständnis auf den Punkt: Gemeinsam mehr Energie. Energie-Dialog über Investitionssicherheit mit der EU Der 1. Juli war ein wichtiger Tag für die Gaswirtschaft in der Europäischen Union, auch wenn die tatsächliche Liberalisierung in einigen Mitgliedsstaaten noch in Verzug ist, meinte Seele: Offene Märkte auf der Nachfrageseite sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist die Bereitstellung eines ausreichenden und preislich wettbewerbsfähigen Angebots an Erdgas. Und dazu muss die EU noch konsequenter den begonnenen Energie-Dialog mit den Produzenten fortsetzen, forderte Seele. Weniger als 5 % der weltweiten Vorkommen an Erdgas lagern in Europa. Fast die Hälfte des Gases, welches die 25 EU-Länder heute verbrauchen, stammt aus Quellen außerhalb der Europäischen Union. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die OECD-Staaten für den Ausbau neuer und die Erweiterung vorhandener Gasinfrastrukturen bis 2030 jährlich rund 16 Milliarden US-Dollar investieren müssen. Rund die Hälfte davon, ca. 200 Milliarden US-Dollar, werden bis dahin in den Ausbau der Transport-, Speicher- und Verteilersysteme fließen. Langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen für Produzenten, Importeure und Investoren fordert Seele daher. Nur so könne der wachsende Gasbedarf Europas auch in Zukunft gedeckt werden. Dafür müsse die europäische Politik Planungssicherheit garantieren. In einem Gespräch mit der EU-Vizepräsidentin Loyola de Palacio hatten der Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung und Alexander Medvedev, Vorstandsmitglied der OAO Gazprom und Generaldirektor der OOO Gazexport, erst kürzlich wesentliche Eckpunkte einer investitions-freundlichen Energiepolitik in Europa erörtert. Sie plädierten dafür, dass sich die EU-Energiepolitik im Gassektor an folgenden Grundsätzen ausrichtet: 1. Versorgungssicherheit verlangt Investitionen in Produktion, Transport, Speicherung und Verteilung. Der Ordnungsrahmen muss Investitionsentscheidungen fördern, er muss langfristig gelten und verlässlich sein. Unternehmen, die strategische und deshalb auf lange Sicht angelegte Investitionen tätigen, dürfen nicht durch ständige Änderungen und Ergänzungen des Ordnungsrahmens verunsichert werden. 2. Die Rahmenbedingungen im Infrastrukturwettbewerb müssen europaweit stärker harmonisiert werden. Freier Leitungsbau ist in allen Mitgliedsstaaten gleichermaßen zu ermöglichen. Der notwendige Wettbewerb wird sich auf Basis wettbewerbsorientierter Preise für Transport- und Speicherdienstleistungen herausbilden. Eine kostenbasierte Regulierung von im Wettbewerb geschaffenen Leitungen steht im Widerspruch zu marktwirtschaftlichen Grundsätzen. 3. Das Eigentum an Leitungsinfrastruktur muss vor übertriebenen regulatorischen Ansprüchen geschützt werden. Es bedarf vielmehr echter Investitionsanreize durch die Schaffung der Möglichkeit, neue Investitionen komplett von der Regulierung freizustellen. Entsprechende Verfahren müssen schnell und unbürokratisch gehandhabt werden. 4. Die Entwicklung nachhaltiger Partnerschaften mit Erdgasproduzenten außerhalb der EU ist wichtiger denn je. Einseitige Schritte wie die Reduzierung des Gaspreises an der Grenze oder die Verkürzung der Vertragslaufzeiten beeinträchtigen den durch die Industrie erreichten Interessensausgleich und werden dem Gasmarkt schaden. Diese Grundsätze sollen jetzt Thema weiterer Gespräche zwischen der OAO Gazprom als weltgrößtem Erdgasproduzenten, der WINGAS und der EU-Kommission sein. Die WINGAS GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Wintershall AG (65 %) und der russischen OAO Gazprom (35 %). Seit 1990 sind die beiden Partner gemeinsam in der Gasversorgung tätig und liefern über ihr inzwischen mehr als 2.000 Kilometer langes Leitungsnetz Erdgas an Stadtwerke, größere Industriebetriebe und regionale Gasversorgungsunternehmen in Deutschland und Europa. Wintershall und Gazprom haben bis heute mehr als 2,7 Milliarden Euro in den Aufbau des WINGAS-Erdgasleitungssystems investiert. Das Pipelinenetz verbindet die großen Gasreserven Sibiriens mit den wachsenden Absatzmärkten Westeuropas und ermöglicht WINGAS außerdem den Zugang zu den sich weiter entwickelnden europäischen Spotmärkten. Mit dem Erdgasspeicher Rehden, der ein Arbeitsgasvolumen von über vier Milliarden Kubikmetern besitzt, verfügt WINGAS über rund ein Fünftel der gesamten in Deutschland vorhandenen Speicherkapazität. Der Erdgasspeicher Rehden ist der größte Erdgasspeicher Westeuropas. |
PI-04-08 vom 9. Juli 2004Kontakt:
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